"Mit dem Cimbrischen ist es mittlerweile wie mit einer schönen Tracht.
Auch diese wird nicht täglich getragen, sondern nur zu bestimmten Festen."
Josef Seidl, 1. Vorsitzender Cimbern-Kuratorium Bayern (1999-2013)

Sprache der Cimbern und ihre Erforschung

Auch wenn schon anno 1602 der Bischof Mark Cornar von Padua den Katechismus "Christlike unt korze Dottrina" als ältestes Buch in cimbrischer Sprache drucken ließ - der große Durchbruch in der Cimbern-Forschung sollte erst Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgen, als etwa 1836 der renommierte deutsche Sprachforscher Johann Andreas Schmeller auf die Spur der Cimbern stieß.

Schmeller erkannte, dass das Cimbrische ein Mittelhochdeutsch bairisch-tirolerischer Ausprägung ist, das seit dem Hochmittelalter gesprochen wird. Der Forscher räumte schon 1838 mit der sich seit dem 14. Jahrhundert auch unter vielen italienischen Nachbarn hartnäckigen Theorie auf, die Cimbern seien ein versprengter Rest des gleichnamigen Germanenstamms der Zimberm, die vor 2000 Jahren in Oberitalien die Legionen des Consuls Catulus geschlagen hatten, aber nur ein Jahr später durch den Feldherrn Marius bei Vercellae nahe dem heutigen Turin wieder aufgerieben wurden.

Vor der Hungernot geflüchtet

Schmeller legte 1850 ein Dokument vor, das bis heute als das älteste gilt, welches mit der Herkunft der Cimbern in Zusammenhang steht. "Es belegt eine Auswanderung von einer Reihe von Untertanen der Bayerischen Benediktinerabtei Benediktbeuren zwischen 1053 und 1063 nach Verona, wo seit 1036 der Bayer Walther von Ulm Bischof war", heißt es darüber.

Schmeller: "Dieses einzigartige Dokument beweist eindeutig, dass um 1050 Bauern aus dem westlichen Oberbayern in der Hungersnot nach Verona auswanderten."

Leere Teller und leere Bäuche - das also waren die Hauptgründe, warum einige Bayern den Marsch nach Italien - in eine vermeintlich bessere Zukunft - antraten. Im Gepäck nicht mehr als eine Handvoll Habseligkeiten, ihre Traditionen und die älteste bekannte bairische Mundart - das Urbairisch.

Bekannte Sprachforscher

Prof. Dr. Anthony Rowley, *22.07.1953 in Skipton, Yorkshire (GB)

Prof. Anthony Rowley, Fotoquelle: privat

ist Geschäftsführer der Kommission für Mundartforschung der bayerischen Akademie der Wissenschaften und Professor für Germanistische Linguistik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Er hat sich intensiv mit der Sprachinsel des Fersentals befasst.

Anthony Rowley ist wochentags in der vom Bayerischen Rundfunk produzierten Sendung Wir in Bayern zu sehen, für die er die Bedeutung eines von einem Zuschauer zum Rätsel gestellten bayerischen Wortes erklärt.

Quellen: Text: wikipedia.de/A.Rowley; Foto: A. Rowley

Dr. Remigius Geiser, *05.11.1951 in München

Dr. Remigius Geiser, Fotoquelle: privat

studierte 1971-77 an der Ludwig-Maximilians-Universtität München Biologie. Mit seiner Diplomarbeit über die Käferfauna der Fichten-Rindenhaufen erwarb er 1977 den Titel des Diplom-Biologen. Nach freier Mitarbeit am Lehrstuhl für Landschaftsökologie der Technischen Universität München - Weihenstephan - in der Zeit von 1978-83 und als Assistent am Lehrstuhl für angewandte Zoologie der Technischen Universität München - Weihenstephan - in den Jahren 1984-87 ist Dr.h.c. Geiser seither als Privatgelehrter in Salzburg tätig.

Fachgebiete: Faunistik, Ökologie und Artenschutz mitteleuropäischer Käfer (Coleoptera) sowie Fragen des Darwinismus und der Soziobiologie.

Remigius Geiser ist Mitglied in zahlreichen Vereinen, u. a. ist er Vorstandsmitglied im Curatorium Cimbricum Bavarense, München und Vizepräsident des Kulturvereins "Freunde der Zimbern" in Salzburg.

Quelle: http://remigius.org/

Hugo Resch, *17.03.1925 in Landshut, † 14.08.1994

Hugo F. Resch, Fotoquelle: privat

Nachdem Johann Andreas Schmeller im Jahr 1855 sein Cimbrisches Wörterbuch veröffentlicht hatte, nahm die Welt der Sprachkundler rund 100 Jahre lang keinerlei Notiz mehr von Terra Cimbra. Bis in den 1950er Jahren das Arbeitsamt Landshut einen seiner Mitarbeiter in die Region aussendet, um italienische Gastarbeiter anzuwerben. Es ist Hugo Resch, der in den Alpen auf die Cimbern trifft, und deren archaisches Bairisch ihn gleichermaßen fasziniert und verblüfft. Die ihm unbekannte Mundart soll zu seiner großen Leidenschaft werden. In der Folge reüssiert der Niederbayer zu einem der herausragenden Cimbern-Forscher der Nachkriegszeit und sammelt auf seinen vielen Reisen in die besiedelten Gebiete eifrig cimbrische Wörter, die er in der Heimat mit Hilfe von befreundeten Sprachwissenschaftlern entschlüsselt, und die so zu einem wertvollen Fundus heranreifen. Auf dieser Arbeit begründeten sich vor mehr als vier Jahrzehnten die Anfänge des Bayerischen Cimbern-Kuratoriums. 

Mehr über Hugo Resch und sein Werk finden Sie » hier

Johann Andreas Schmeller

Johann Andreas Schmeller, Fotoquelle: wikipedia

war ein Germanist und bayerischer Sprachforscher, dessen großes Verdienst das vierbändige Bayerische Wörterbuch ist. Der Sprachwissenschaftler und Bibliothekar war einer der wichtigsten Mundartforscher des 19. Jahrhunderts.

Weiterführende Informationen:
www.wikipedia.de

Schmeller begann 1816 mit der Arbeit an seinem "Bayerischen Wörterbuch". Die ersten beiden Teile erschienen 1827, der dritte und vierte erst 1837, nachdem Schmeller 1829 Custos an der Münchner Hofbibliothek, der heutigen Bayerischen Staatsbibliothek geworden war. Die zweite Auflage des Wörterbuchs, die 1872 und 1877 Georg Karl Frommann (1814-1887) herausgab, ist bis heute ein Standardwerk geblieben. Der mit dem "Bayerischen Wörterbuch" von Schmeller neu geschaffene Typus des historischen großlandschaftlichen Dialektwörterbuchs fand zahlreiche Nachfolger.

Schmeller's baierisches Wörterbuch finden Sie auf der Website der Bayerischen Landesbibliothek in einer Online-Version.