Zeittafel

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568

Einwanderung der → Langobarden in Italien. An etwa 14 größeren Fundorten lässt sich diese Einwanderung archäologisch belegen, da sich die Fundstücke der in der Regel reichen Adelsgräber mit ihrer althergebrachten germanischen Mehrfibeltracht mit Bügelfibelpaaren stark von den Grabbeigaben der (oft benachbarten) romanischen Gräbern unterscheiden. Die Siedlungen greifen nicht in die Hochtäler aus, sind meistens strategisch oder an der Bonität der Böden orientiert und konzentrieren sich in den Dukaten → Friaul, → Brescia und → Trient. Dort ist das schon im 19. Jahrhundert ausgegrabene Adelsgrab von Vezzano bemerkenswert. Die Kontinuität der Entwicklung scheint die Landnahme nicht beeinflusst zu haben. Insbesondere scheint schon lang vor der Einwanderung der Langobarden (Höhepunkt 5. Jahrhundert) ein wirtschaftlicher und demographischer Niedergang, vor allem auch in den Städten in Italien eingesetzt zu haben. Das Heervolk der Langobarden, in sogenannten Fara-Verbänden organisiert, und zum Großteil aus fremden Stämmen bestehend, die sich in der → pannonischen Tiefebene angegliedert hatte, trafen auf wenig Widerstand. Im September 569 waren die Langobarden in → Mailand. Über 30 Duces, unter ihnen mehrere →„Fara“, operierten weitgehend selbstständig, zu einer zentralen Königsherrschaft kam es erst später.

Karte: Völkerwanderung; Urheber: on Sansculotte - German Wikipedia, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=459238

575

Nach der Ermordung des Königs Klef (572-574) glauben Oströmer und Franken durch eine gemeinsame Aktion das Langobardenreich vernichten zu können. Der fränkische „Dux Raetiorum“ Chramichis marschiert Richtung Trient und plündert. Er wird aber von Herzog → Ewin von Trient verfolgt und bei → Salurn in einem Gefecht getötet. Die fränkischen Truppen fliehen. Ewin verbindet sich mit dem Bayernherzog → Garibald I., der eine seiner Töchter mit Ewin vermählt. Seit dieser Zeit sind die Bayern auf langobardischer Seite.

589

Ahistorische Phantasiedarstellung Theudelindes, Fresko von Zavattari (Kapelle der Theudelinde, Monza, 1444)

15. Mai
Hochzeit zwischen König → Authari und → Theodolinde, der Tochter des bayerischen Herzogs Garibald auf dem Campo Sardi in → Verona. Langobarden und Bayern schließen einen Bündnisvertrag.

Abb.: Ahistorische Phantasiedarstellung Theudelindes, Fresko von Zavattari (Kapelle der Theudelinde, Monza, 1444); Quelle: wikipedia.de 

590

5. September
König Authari stirbt. Er wird möglicherweise vergiftet. Seine Witwe, die bayerische Herzogstochter Theodolinde, heiratet den Nachfolger Autharis als König, den Herzog von → Turin  → Agilulf (591-616)

590

Der fränkische König → Childebert II. (577-595) versucht im Bündnis mit dem → byzantinischen Kaiser → Mauricius gegen das Langobardenreich vorzugehen. Angesichts der fränkischen Bedrohung haben die Langobarden schon einige Zeit vorher wieder einen König gewählt, Authari, den Sohn des Königs Klef. Der Rachefeldzug der Oströmer und → Franken scheitert. Die Franken können weder Mailand noch Verona erobern.

774

Ende des Langobardenreichs in Italien nach der Eroberung von → Pavia durch die Franken.

910

→ Berengar überträgt dem Bischof Vitale von Vicenza das Asticotal sowie die Gegend von → Schio und → Malo.

Abb.: Kaiser Berengar I. dargestellt im Chronicon Casauriense des Johannes Berardi, spätes 12. Jahrhundert.
Urheber und Quelle: Von Template:Johannes Berardi (chronicon casauriense) - Mandragore Latin 5411, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11899588

917

(oder schon 915) König Berengar I. von Italien (Markgraf von Friaul seit 874, König der Langobarden 888, Kaiser seit 915) überträgt dem Bischof Sibicone von → Padua (912-924) die oberste Gerichtsgewalt (omnis potestas judiciaria) über → Arimannen und andere freie Leute (tam arimannorum quam aliorum liberorum hominum) im Tal der → Brenta (vallis Solana) und der angrenzenden Gebiete, die sich in seinem Königreich befinden ohne Rücksicht darauf, zu welcher Grafschaft sie gehören. Der Bischof darf auch Befestigungen zum Schutz gegen „schlechte Christen und Heiden“ anlegen. Nach anderen Angaben heißt der Bischof Stilico. Ihm wurden 912 die Privilegien bestätigt und die Erlaubnis zur Errichtung von Kastellen erteilt. In der Liste der Bischöfe von Padua wird ein Sibico mit den Regierungsdaten von 911-917 bzw. von 912-924 genannt. Nach Zordan (S.222) werden in diesen Dokument (laut dal Pozzo) uomini germa-nici im Tal der Brenta (Valle di Solagna) genannt.

915/17-1236

Die Bischöfe (Erzbischöfe) von Padua sind die Oberherren der VII Gemeinden.

952

Nach seiner Erhebung zum König von Italien richtet → Otto I. eine Mark Verona ein, die er vom Königreich Italien (Regnum Italiae) trennt und die er seinem Bruder Herzog → Heinrich von Bayern unterstellt. Das Territorium der neuen Mark umfasst alle Grafschaften (Komitate) → Venedigs → (Verona, → Vicenza, → Padua, → Treviso, → Feltre, → Belluno, Cèneda) sowie die Komitate Friaul und Trient.

955

Sieg über die Ungarn auf dem → Lechfeld bei Augsburg.

Abb.: Die Schlacht auf dem Lechfeld in einer Darstellung von 1457
Urheber und Quelle: Von Hektor Mülich[1] (d. 1490) - https://www.archives.gov/preservation/conferences/papers-2003/zwaneveld.html, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4895972

962

→ Otto I. wird in → Rom zum Kaiser gekrönt.

970

Schenkungen der Kirche von Padua (Bischof Gaslino) an die zum Benediktinerkloster → Santa Giustina in Padua gehörende Kirche/Kapelle (später Priorat) von San Gallo di Mason (später San Biagio/Blasius/Gemeinde Mason Vicentino) zwischen → Bassano und Asticotal.

972

28. Mai
Kaiser Otto I. schenkt Bischof → Abraham von Freising (957-994), einem bayerischen Adeligen (aus dem Geschlecht der Grafen des Sundergaus) Besitz zwischen Treviso und Vicenza, darunter → Godego (heute Castello di Godego) nahe → Conegliano (MGH DD Otto I, Nr. 452). Godego gehörte besitzrechtlich nach 972 bzw. 993/94 zum → Kloster Innichen.

Abb.: Abraham auf einem Gemälde im Fürstengang Freising
Urheber und Quelle: Von Franz Joseph Lederer (1676-1733) and others - Photo from the Fürstengang in Freising, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=29451009

976

Errichtung des → Herzogtums Kärnten, dem die Mark (marca veronensis et aquileiensis) Verona angegliedert wird (Personalunion).

983

Unter Bischof Rodolfo wird der Sitz der Diözese Vicenza vom Kloster (Kathedrale ) SS Felice & Fortunato in die Pfarrkirche (Kathedrale) St. Maria im Inneren der Stadt verlegt. Der Bischof schenkt dem Kloster Grundbesitz im Asticotal (Arsiero, Cogollo, Mosson, Caltrano, Chiuppano). In diesem Dokument72 tauchen erstmals vier „alpes“ auf, die man mit der Hochebene in Verbindung bringen könnte (Lastaria, Bagnaria, Longara, Zuveno, identifizierbar (so BORTOLAMI, S. 31) als monte Astaro bei Asiago, Contrada Bagnara über Conco und monte Longara (Gallio). Schwerer zu identifizieren ist nach BORTOLAMI die Alpe Zuveno. Zu denken sei an den monte Sunto bei Caltrano, einen monte Zomo und ein monte Zevio befinden sich zwischen → Gallio und → Asiago. Der in der Urkunde genannte Ort Rauna, in dem das Kloster SS Felice & Fortunato ein casale besitzt, darf nicht mit Roana gleichgesetzt werden. Bei der Urkunde handelt es sich um eine späte und verderbte Kopie, die möglicherweise nicht frei von Interpolationen ist.

72 Zuletzt ediert von G. GUALDO, Contributo per un codice diplomatico vicentino, tasi di laurea, Università di Padua 1954, Bd. 2, S. 6 (Dok. 2).

1000

12. März
Privileg Kaiser → Otto III. Für Bischof Hieronymus von Vicenza (Zordan, S. 239), dass die Bewohner seiner „Castelle“ niemandem „fodrum“ (Futter, kaiserliche Steuer) zu zahlen haben.

1026

Umrahmt von Mauerzügen sitzt Konrad II. auf einem Thron. In der linken Hand hält er den Reichsapfel, in der rechten ein Medaillon mit dem Brustbild seines Sohnes und Nachfolgers Heinrich III. Darunter wird Heinrich IV. dargestellt und unter diesem dessen

Privileg Königs → Konrad II. für Bischof Tebaldo von Vicenza, in dem der König die Schenkungen an das Bistum, insbesondere die des Kaisers Berengar, bestätigt. Hervorgehoben wird dabei die „cortes de valle“ und die dazugehörige „Massa Carturni“, also die Orte Vello (Velo) und Caltrano im Val d'Astico

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Bildunterschrift: Umrahmt von Mauerzügen sitzt Konrad II. auf einem Thron. In der linken Hand hält er den Reichsapfel, in der rechten ein Medaillon mit dem Brustbild seines Sohnes und Nachfolgers Heinrich III. Darunter wird Heinrich IV. dargestellt und unter diesem dessen Kinder: die Söhne Konrad und Heinrich V. sowie die Tochter Agnes (hier fälschlich als Adelheid bezeichnet). Staatsbibliothek Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Cod. lat. 295, fol. 81v (um 1130).

Bildquelle: Wikipedia, Von Konrad2Salsky.jpg: Ekkehard von Auraderivative work: Saibo (Δ) - Konrad2Salsky.jpg, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10515287

1027

Der Bischof von Trient erhält Grafschaftsrechte (ist also nicht mehr Teil der Mark Verona).

1031

Das in einer nachweisbar gefälschten Urkunde genannte „castrum Ennici“ darf nicht mit dem Kastell Enego gleichgesetzt werden73

73 G. GUALDO, Contributo per un codice diplomatico vicentino, tasi di laurea, Università di Padua 1954, Bd. 2,S. 26 (Dok. 11)

1040

Der deutsche Bischof Walter von Verona (siehe 1053) baut auf dem Hügel von San Pietro di Calavena (dem deutschen Kalwein) eine Burg „auf eigene Kosten“. Im Pfarrhof befindet sich eine entsprechende zeitgenössische Inschriftentafel (+AN(NO) D(OMI)NI MXL SU(M)PTU WALTE(R)II EPI(SCOPI) HOC CASTELLU(M) EREXIT A SOLO)

1053-1063

Ansicht des Klosters Benediktbeuren; Fotograf unbekannt
Kloster Benediktbeuren; Quelle: wikipedia; Autor unbekannt

Eine nicht genau datierbare Urkunde aus dem → Kloster Benediktbeuern (Bayerische Staatsbibliothek clm 4547) berichtet, dass eine Anzahl von Familien wegen einer Hungersnot in die Stadt Verona abwanderten, wo seit 1036 der deutsche Bischof Walter von Ulm, ein Freund des Abtes Gotahelm von Benediktbeuern, residierte. Im Kloster S. Maria in Organo in Verona, das wohl die Verteilung der Emigranten übernahm, war als Abt der aus Benediktbeuern stammende Engelbrecht tätig. Die Liste der abgewanderten Personen zählt Besitzungen Benediktbeuerns in Süddeutschland und Tirol (?) auf. (HAEC FAMILIA FUGERAT … TEMPORE FAMIS DE HOC MONASTERIO … AD VERONAM CIVITATEM…). Der für die Überführung der Flüchtlinge zuständige Mönch (Gottschalk), der auch den entsprechenden Bericht über die Ereignisse in Italien schrieb, brachte die Reliquie der Hl. Anastasia aus Verona nach Benediktbeuern mit, nicht aber das Getreide, für das man ihm eine beträchtliche Geldsumme mitgegeben hatte.

Wie die Ansiedlung und vor allem wo die Ansiedlung stattfand, geht aus den Urkunden des Klosters nicht hervor. Man kann davon ausgehen, dass die Ansiedlung mit Hilfe von Lokatoren im Auftrag des Klosters oder des Bischofs erfolgte. Wie eine solche Maßnahme im Einzelnen aussah, können wir dem Vertrag zwischen dem Bischof von Verona und zwei Lokatoren aus dem Bistum Vicenza vom Jahre 1287 (siehe dort) entnehmen. Auch wenn dieser Vertrag aus späterer Zeit stammt, kann er auch für die Frühzeit der damals intensiv betriebenen Binnenkolonisation herangezogen werden. Auch in Süddeutschland erschließt man um diese Zeit die weniger fruchtbaren Gebiete und vor allem die Almen.

Bild: Ansicht Kloster Benediktbeuren; unbekannter Autor, Quelle: wikipedia

1077

Der Bischof von Aquileja erhält die Grafschaftsrechte über → Friaul, das damit aus der Mark Verona ausscheidet.

1085

29. April
Ein Konsortium von Adeligen unter → Ezzelino von Onara schenkt dem Kloster St. Eufemia und St. Pietro in Villanova74 (heute Teil von Abazia Pisani in der Gemeinde → Villa del Conte/Provinz Padua – zwischen Bassano und Cittadella) einen Teil des Brentakanals sowie umliegende Berge. Genannt werden die Berge Ascelo und Pudisio (=Asolone über Cismon und der Monte Grappa) sowie – und das ist die erste Nennung von Orten auf der Hochebene - montem integrum, qui vocatur Fugia (=Foza). Ein anderer Berg Turnardum könnte der später genannten Tornatum sein, der sich über Oliero befindet.

74 Paolo MIOTTO, Abbazia Pisani. Storia di un monastero millenario e della sua gente, 2006; Emilio SPAGNOLO, Abbazia di S. Eufemia di Villanova, Cittadella 1974

Abb.: Wappen der Gemeinde Villa del Conte; Urheber: Von Sannita - Eigenes WerkDiese W3C-unbestimmte Vektorgrafik wurde mit Inkscape erstellt ., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9389529

1123

Bei einem Gerichtstag (placitum) des Herzogs von Kärnten und Markgrafen von Verona im Kloster San Zeno nehmen die Grafen von Verona, Padua und Treviso, die Capitanei und judices teil.

1124

Für das als Hauskloster der Ezzelinen (da Romano) gegründete Santa Croce di Campese (heute Stadt Bassono, nördlich vom Stadtkern) stiftet der Bischof von Padua und einige bischöfliche Vasallen (signorili attivi) Besitzungen in Mrganza, Peola, Marostica, Angarano, Margnano, Campo, Della Costa, Brenta, Caldonazzo, Romano).

Die Ezzelinen (mit Hilfe ihrer Klöster und Kirchen) erwerben reichen Grundbesitz im Tal der Brenta (Vallis Solana). Dabei fördern sie aus finanziellen und strategischen Gründen auch kommunale Strukturen, etwa in Campese, Pove, Solagna, San Nazario, Cismon oder Primolano.

Die Entstehung dieser (oft ummauerten) zahlreichen kleinen Zentren,75 stellt eine durch die Bevölkerungsvermehrung (Klimawandel) begünstigte vollständige Veränderung des bisher ruralen Landschaftsbildes dar. Auf Grund des Bevölkerungsdrucks kommt es in der Folgezeit zur Besiedelung (Rodung, Terrassierung) der Hochflächen, zunächst durch Unterkünfte für Hirten, Köhler und Holzfäller. Diese bedürfen, um überleben zu können, der Beziehung zu den Märkten des Tales, vor allem wenn man den in der Hochebene gewonnenen Käse, die Wolle der auf der Hochebene weidenden Schafe, die in den Wäldern gewonnene Holzkohle sowie das Holz gegen das lebensnotwendige Getreide, das in der Hochebene nicht wächst, eintauschen muss.

75 BORTOLAMI, S. 32 f.

1136

→ Lothar III. überträgt die Markgrafschaft Verona an → Heinrich X, den Stolzen, Herzog von Bayern.

1145

Unter dem 1. Abt Pellegrino sammeln sich Mönche in Calavena und gründen eine Benediktinerabtei zur Betreuung der deutschsprechenden Siedler in der Lessinia. Die Abtei wird wohl zunächst auf dem Hügel von San Pietro der ehemals von Bischof Walter von Verona 1040 erbauten Burg errichtet. Das Kloster erhält von → Papst Eugen III. ein Privileg und wird direkt dem Hl. Stuhl unterstellt. Die Mutterkirche im Tal (ursprünglich hieß das ganze Tal Calavena) ist wohl San Vito geweiht. Seit 1159 wird als zweiter Abt ein gewisser Rudolfo genannt, der 1162 das Kastell Cogolo von Giselbert da Chiavica und viele weitere Güter erwirbt. Nach dem Erwerb zahlreicher Pfarreien und Kirchen erhält das Kloster von → Papst Lucius III., der 1184 die Klosterkirche einweiht, 1185 ein Privileg, das es unter den unmittelbaren Schutz des Hl. Stuhls stellt (siehe 1185, 1301, 1326 und 1424).

Abb.: Wappen der Gemeinde Badia Calavena; Quelle: Von Massimo Ghirardi - www.araldicacivica.it, PD-Amtliches Werk, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=9936578

1150

Die Bischöfe von Freising siedeln in der Gegend der oberen Brenta Leute aus dem oberbayerischen Loisachtal an.

1160

7. März
In Bischofslack belehnt Bischof Albert von Freising (der Nachfolger des 1158 gestorbenen berühmten Bischofs Otto) Ezzelino und seinen Sohn Johann gegen 100 Mark Silber mit Burg und Hof von Godego (heute Castello di Godego) bei Bassano und Chogno (am Fluss Musone bei Treviso) und zwar so, wie sie schon Ezzelins gleichnamiger Onkel innehatte. Jenseits der Alpen müssen sie keine Lehensdienste leisten (Tiroler Urkundenbuch II, 2. Nr. 552). Die Ezzelinen hatte schon Rechte in den VII Gemeinden, angeblich in Rotz, Robann, Vüüsche, Ghenebe.

1162

Eine Urkunde im → Staatsarchiv Venedig (Kloster San Felice 528, zitiert nach BORTOLANI, S. 37) bringt den frühesten Hinweis auf eine dauerhafte Besiedlung der Hochfläche und zwar in der Gemeinde → Gallio: Der Abt des Klosters San Felice in Vicenza beauftragt Orso, Menico, Enzio und andere Genossen mit dem Bau einer Siedlung EX NOVO im Gebiet GALADE oder GALADUM. Die bereits gerodeten Flächen werden den Neusiedlern zunächst für 8, die noch nicht gerodeten für 10 Jahre überlassen.

Abb.: Karte von Gallio; Urheber/Quelle: Von Vonvikken - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15228808

1182

9. Februar
Kaiser → Friedrich Barbarossa gibt dem Bischof von → Trient Rechte, die ihm die Herrschaft über die Stadt Trient sichert. Die Stadt darf keine Consules ernennen und innerhalb der Stadt keine Türme ohne Genehmigung des Bischofs errichten.

1183

Friede von Konstanz zwischen Kaiser Friedrich Barbarossa und den oberitalienischen Städten.

1185

Papst → Lucius III., der nach Verona zu Friedrich Barbarossa geflohen ist, hält sich in der von Deutschen besiedelten Benediktinerabtei San Pietro di Calavena auf. Diese wurde auf dem Platz der 1040 von Bischof Walter gebauten Burg Calavena gegründet (siehe 1145). Papst Lucius III. erteilt in dieser Zeit seines Exils in Norditalien mehrere Privilegien an deutschsprachige Klöster und Wallfahrtsorte (etwa 1184: → Unsere Liebe Frau im Wald, Kloster und Hospiz im Nonsberg-Senale, kurz vor dem Gampenpass).

Bild: Die Pfarrkirche von Unsere Liebe Frau im Walde
Urheber und Quelle: Von Hanno Sandvik - photograph taken by uploader, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6321821

1185

Im Zusammenhang mit dem Silberbergbau am Monte Calisio (Mons Argentorarius) nordöstlich von Trient schließt der Bischof mit den Bergleuten einen Vertrag.

1189

Bischof Albert II. von Trient erhält von Kaiser Friedrich Barbarossa das Bergregal.

1189

In → Solagna (ca. 5 km nördlich von → Bassano an der Brenta) gibt es 40 Familien, in → Cismon (heue Cismon di Grappa, ca. 25 km nördlich von Bassano an der Brenta), gibt es 15 Familien. Die Zahl der Familien bleibt auch im nächsten Jahrhundert stabil, eine Abwanderung ganzer Familien in die Hochebene findet nicht statt, dagegen könnten einige der Bewohner einer saisonalen Beschäftigung auf der Hochebene als Holzfäller und Schäfer nachgehen. Nicht ausgeschlossen ist auch, dass später Mitglieder von kinderreichen Familien sich in der Hochebene ansiedeln.

1191

20. Januar
Kaiser → Heinrich VI. gibt Bischof Konrad von Trient das Recht, alle in der Stadt und im Herzogtum Trient ohne seine Genehmigung gebauten Burgen (turrim aliquam) abreißen zu lassen und alle ohne seine Genehmigung entstandenen Schwurgenossenschaften (conjurationes vel societates facere) zu verbieten und aufzulösen.

1192

Laut einer Urkunde (REICH 1908, S. 11) sind auf der Costa Cartura bei Lafraun (→ Lavarone) sogenannte roncatores (Waldroder) mit den deutschen Namen Gotepoldus, Maruardus, Pecilus und Aicillus angesiedelt worden und zwar von den Herren von → Caldonazzo und der Kommune → Bosentino. Beide stellen entsprechende Grundleihebriefe aus (in denen das Grundleiheverhältnis, also die entsprechenden Abgaben festgelegt sind). Das erklärt, warum 1215 der Fürstbischof von Trient auch den Gemeinden Bosentino und Migazzone eine Ablöse bezahlte, als er die Costa Cartura kaufte.

1202

In einer freilich zweifelhaften Urkunde wird erstmals die zu → Asiago gehörende Contrada „Coda“ genannt, eine der vier späteren sogenannten Colonnelli (eine solche Untereinteilung der Kommune Asiago in vier colonnelli – Bosco, Chiesa, Villa und Coda – lässt sich erst am 28. November 1501 nachweisen).76 Bei dieser 1202 genannten Coda (die Form eines verlängerten Triangels bildenden Landstücks) im Südwesten von Asiago heißt es ausdrücklich „Coda brusà“, das heißt, dass hier eine Brandrodung vorgenommen wurde, dass man also gerade dabei war, die Gegend um Asiago zu kolonisieren. Gerodete Grundstücke mussten auch noch von den „ceppi“ (venetianisch „zocchi“), den Baumstümpfen (Stocken) befreit werden. Bis dahin waren sie nicht als Acker, sondern nur zur Weide geeignet. Die entsprechenden Flurnamen, etwa in der Contrada di Stoccaredo („Stoccherech“) bei Gallio verweisen auf die mühsame Arbeit der Kolonisierung durch Beseitigung der Baumstümpfe.

76 PAGANIN, S. 38

Abb.: Wappen von Asiago
Urheber und Quelle: Von unbekannt - www.comune.asiago.vi.it/web/asiago, PD-Amtliches Werk, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=9915137

1202

Ezzelino II. übergibt dem 1124 von seiner Familie gegründeten Kloster S. Croce di Campese (Ortsteil von Bassano, nördlich vom Stadtkern im Brentatal) die umfangreichen Besitzungen, die die Söhne eines seiner → Vasallen im Besitz gehabt haben, und zwar solche in Angarano und in → Foza cum montibus et planiciis. Diese Erwähnung Fozas ist noch kein Nachweis, dass der Ort damals schon fest besiedelt war. Es könnte sich auch nur um eine Ansammlung von Almen handelt, die nur von Frühjahr bis Herbst bewirtschaftet waren.

1204

Die Ezzelinen nehmen an der Beilegung des Grenzstreits zwischen → Rotzo und → Cogollo teil. Im Vergleich werden als zu Rotzo gehörig alle Berge gerechnet, die von Portule (Galmarara, Manazzo, Costa, Vezzena) nach → Asiago herunter gehen. 1261, nach dem Ende der Ezzelinen, werden diese Güter von Vicenza erworben. Die Verwaltung der Ezzelinengüter in Rotzo besorgt ein → Gastalde, der die Rechtsprechung versah und im Kriegsfall die Soldaten einzog.

1204

30. September
Grenzziehung zwischen den Wäldern, Weiden und Häusern der Gemeinden Cartrano, Cogollo und Vello einerseits und → Castelletto andererseits durch deren Dekane und Sindici mit Zustimmung der jeweiligen Ortsherren. Die Versammlung fand in der Kirche Santa Agata in Cogollo statt (das Notariatsinstrument befindet sich in Vicenza in der städt. Bibliothek Bertoliana, Arch.. Torre, busta 245 Nr. 4; gedruckt bei ZORDAN S. 243 ff.)

1207-1218

Der aus Deutschland stammende Trentiner Bischof → Friedrich von Wangen kolonisiert die Gebiete östlich der → Etsch. Angesichts des Bergsegens (Silberbergbau) am Monte Calisio nordöstlich von Trient erlässt der Bischof die ältesten Bergrechts →kodifikationen der deutschen Geschichte.

1208

28. Februar
Bischof Friedrich von Wangen kauft von dem Adeligen Engelbert von Beseno aus dem Vallagerina die Hälfte der → Burg Beseno und dessen Güter auf dem Berg von → Folgaria für 6000 Pfund Berner. Unter den zum Besitz Engelberts gehörenden Untertanen werden auch „coloni“ und „asciticii“ (aus der Fremde zugezogene) genannt, was als Beispiel für die Besiedlung durch Fremde gewertet wird.

Bild: Castel Beseno
Urheber und Quelle: Von © Matteo Ianeselli / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14647895

1213

Kaiser → Friedrich II. ernennt den Trentiner Bischof Friedrich von Wangen zum Vikar für die Lombardei, Toskana, „Romania“ und die Markgrafschaft → Verona.

1215

5. September
Bischof Friedrich von Wangen erwirbt von Wezilus von → Caldonazzo und Urlich von Caldonazzo sowie von deren Brüdern und Schwestern für 125 Pfund Berner die Rechte und Erträgnisse auf den Höhen von Costa Cartura von Folgaria bis zum Covalo (Berg) Cente. Dort sind laut einer Urkunde von 1192 bereits deutsche Roncatores tätig, die entsprechende Grundleihebriefe von den Herren von Caldonazzo, aber auch von den beiden Gemeinden → Bosentino und Migazzone haben. Diese erhalten vom Fürstbischof ebenfalls ein Ablösesumme (50 Pfund Berner). Sie werden durch Sindici vertreten, was auf eine beachtliche Eigenständigkeit dieser kleinen Ortschaften schließen lässt. Auch die Beauftragung einzelner Ortschaften auf der Hochebene durch den Bischof, gemeinsame Burganlagen zu unterhalten oder zu bauen, unterstreicht deren Eigenständigkeit. Später werden die Burgen statt von den Mitgliedern der Dörfer durch Amtmänner des Bischofs bzw. durch adelige Lehensleute unterhalten (und im Kriegsfall verteidigt).

1216

Von Irene Allan Poe - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=49018650

Der Trentiner → Bischof Friedrich von Wangen erlaubt Siedlern aus der Hochebene von Vicenza (bzw. aus dem Asticotal, woher die Lokatoren stammen) sich auf der Hochebene von Lavarone und Folgaria anzusiedeln. Er erlaubt Heinrich und Ulrich von Posena (heute Posina) auf dem Gebiet von Costa Cartura bei Folgaria (Vielgereut) 20 oder mehr Bauernhöfe zu errichten. Die Siedler erhalten Geld (Sieben Veroneser Lire) und Steuerfreiheit für mehrere Jahre. Diese Urkunde aus dem → Codex Wangianus ist eine der ganz wenigen Zeugnisse über die Kolonisationstätigkeit auf der Hochebene.

Abb.: Von Irene Allan Poe - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=49018650

13. JH.

Der Dichter Ferretto vermutet als erster, dass die Cimbern Nachkommen der germanischen → Zimbern und → Teutonen sind, die sich vor den römischen Truppen des Marius in die Berge geflüchtet hätten. Damit prägt er auch den Namen Zimbern für die deutschsprachiges Bevölkerung im Norden Italiens. Viele Literaten und Historiker folgen ihm in den nächsten Jahrhunderten.

1236-1259

Die ursprünglich aus Bayern stammenden Ezzelinen sind nach der Eroberung von Verona, Vicenza und Padua die Oberherren der → VII Gemeinden. Ihnen gehörten schon vorher → Allodialbesitz in Rotz, Robann, Vüüsche, (Enego) Ghenebe. Ezzelino il Balbo hatte Lehen in Enego vom Bischof von Vicenza, die in Gallio vom Bischof von Padua erhalten.

1239

Kaiser Friedrich ernennt Thebald „francigena“ zum Vikar für die „Marchia Trevisana“ (Treviso), der Nachfolgerin der Mark Verona. Inzwischen sind die Stadtkommunen so mächtig geworden, dass der Begriff fast nur noch geographische Bedeutung hat. Vor allem dann nach dem Tode → Ezzelinos III. da Romano 1259. Danach beginnt der rasche Aufstieg der Städte. Der Markgrafentitel wird von den Este weitergeführt. Im Jahre 1418, nachdem das Gebiet der Mark von Venedig erobert worden war, verlieh Kaiser Siegmund den Titel an König → Peter von Portugal, was die Republik Venedig 1445 bewog, eine Gesandtschaft nach Lissabon zu schicken, um den König zu einem Verzicht auf seine Rechte zu bewegen.

Abb.: Ezzelino III. da Romano (Bildnis des Cristofano dell’Altissimo 1525–1568)
Urheber und Quelle: Von Cristofano dell'Altissimo - Current version: [1]Original version: Atlante dell'arte italiana, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37860885

1257

→ Lavarone wird erstmals urkundlich erwähnt. Der deutsche Name Berg Lafraun findet sich erstmals 1424.

1259-1311

Die Stadt → Padua ist formal Oberherr der → VII Gemeinden. Nach dem Fall der Ezzelinen versucht aber auch Vicenza unter dem Vorwand der Entschädigung die Allodialgüter der Ezzelinen auf der Hochebene zu erwerben. Der Stadt gelingt es sein Stadtgebiet weit über die Stadtmauern hinaus zu erweitern (CONTRADO): Um 1300 verliert Vicenza im Kampf mit den anderen Signorien seine Freiheit, zuletzt an die → Skaliger von Verona, die dann als neue Herren der Hochebene auftreten. Auch Padua und damit die Hochebene kommt an die Skaliger.

Die Bewohner nutzen das Ende der Ezzelinen zu einem bedeutenden Schritt. So formuliert Sartori in seiner „Storia della Federazione di Sette Comuni Vicentini“: "Kaum, dass sich die Nachricht vom Ende der Ezzelinen verbreitet hatte, beschloss die Bevölkerung der Hochebene (Altopiano) die Contraden zu Kommunen und die Kommunen zu einer Federation zusammen zu schließen. Frei von allen Lehensbanden oder Grunduntertänigkeiten schlossen sich die VII Gemeinden juristisch noch nicht zu einer Republik zusammen – wie das später geschah – sondern sie schlossen einen mündlichen Pakt, in dem sie sich verpflichteten, gemeinsam gegen jedermann ihre alten Rechte und Privilegien zu verteidigen."

Hier meint Sartori die chaotischen Jahre nach 1259, als es zu einem Ausverkauf der ehemaligen Ezzelinenbesitzungen auf der Hochebene kam.

Abb.: Lage der VII Gemeinden
Urheber und Quelle: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1571141

Um 1259

Gründung der Föderation der VII Gemeinden.

1261

25. Mai
Der Podestà von Vicenza, der Venezianer Marco Querini versteigert die Hinterlassenschaft der Ezzelinen, um die Stadt für die Kriegsschäden zu entschädigen. Vicenza erwirbt die Berge von Vezzena, Costa und Manazzo für 8100 Lire von den Gläubigern der Ezzelinen. Vicenza betrachtet sich auch als Eigentümerin der benachbarten Berge von Portule, Pozze, Muline und Galmarara. Der Berg von Vezzena wird nach und nach an die Gemeinde → Levico verkauft.

1277

Nach dem Tode → Mastinos I. in Verona verwandelt sich die faktische Vorherrschaft der Familie der Skaliger in eine Signori de jure, die schließlich → Alberto I. (1277-1301), dem Bruder Mastinos, übertragen wird. Die Dynastie der Skaliger sollte Verona bis 1387 beherrschen.

Abb.: Alberto I. della Scala
Urheber und Quelle: Von Unidentified engraver - http://www.lamescaligere.it/pages/Mondo%20fuor%20di%20Verona.php, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=41198419

1287

5. Februar
Bischof Bartolomeo della Scala von Verona überträgt in einem „locatio“ (Ansiedlungsvertrag) den beiden deutschen (Teotonici) Lokatoren („locatores“) aus der Diözese Vicenza, beide mit dem Namen Ulrich (Oldericus) das Recht, sich im Gebirge der Lessinia bei Verona anzusiedeln. Beide waren die Anführer einer Siedlergruppe, denen besondere Rechte zugestanden wurden. Die beiden → Lokatoren wurden zu Gastalden des Bischofs ernannt und mit einem besonders umfangreichen Grundbesitz bedacht. Die Siedler durften das ihnen zugewiesene Gebiet im Umfang von 25 campi für 29 Jahre nutzen und mussten dafür in den ersten zwei Jahren nur den Zehent (DECIMA OMNIUM NASCENTIUM ET COLLIGENTIUM) abgeben, aber ansonsten keine weiteren Abgaben leisten. Welche Abgaben nach zwei Jahren zu leisten sind, steht nicht im Vertrag, gemeint sind aber wohl die Gutswechselabgaben, wenn das jeweilige Gut an einen anderen verkauft oder vererbt wird. Die → Gastalden, also die privilegierten Anführer, mussten für ihre Herren Kriegsdienst leisten, wobei sich die Frage stellt, für jeden Kriegszug oder nur zur Verteidigung des Gebiets und mit wieviel Reisigen (Knechten). Da der Vogt des Bistums auch das militärische Kommando hat, standen die Gastalden im Kriegsfall unter dem Kommando des Vogtes. Die Ernennung zu Gastalden des Bischofs legt wie die Belehnung der Lokatoren mit Grundstücken durch den Trientiner Bischof im Jahre 1216 nahe, dass es sich bei den Lokatoren um Angehörige des Adels handelt.

Die Urkunde nennt auch die Orte, die den Siedlern zugewiesen wurden und die Grenze des geplanten Siedlungsgebiets. Dabei handelt es sich offensichtlich um ein dünn oder wenig besiedeltes Gebiet, das nicht identisch ist mit den späteren XIII Gemeinden, aber wohl den Kern dieses Siedlungsgebiets bildet. Aus diesem Kern heraus sind dann die anderen Orte, in denen sich bereits eine italienische oder romanische Bevölkerung befand, von den deutschen Siedlern im Auftrag der jeweiligen Grundherrn „übersiedelt“ und majorisiert worden. Die italienischen Namen wurden dabei eingedeutscht.

1287

In einer in Selva di Tressino ausgestellten Urkunde verleiht ein Graf von Tressino einem gewissen Nogarole von Arzignano (einem Ort nicht weit von Selva di Tressino) das Recht, dort 36 Häuser oder Höfe zu errichten. Dies scheitert aber am Widerspruch der Gemeinde Tressino. Nach Bellotto ist dieses erfolgreiche Widerspruchsrecht der Gemeinden ein Erbe aus langobardischer Zeit, als die „vicinae“ aus eigenem Recht über Neuansiedler entscheiden durften. Bellotto übersieht freilich, dass dieses Widerspruchsrecht der Gemeinden gerade auch in Süddeutschland eine weit verbreitete und keineswegs eine langobardische Einrichtung war.

1291

Im Urbar der Grafen von Vicenza werden sechs GASTALDI aus ROTZO genannt (Bertholdus, Henricus, Alpertus, Consuz, Conradus, Ancius).

1300

20. Januar
Vertrag zwischen → Alberto della Scala und einem „Gastalden“ Jacobus tedescus, der als GASTALDIO TEUTONICORUM HABITANTIUM IN PLEBATU SEU PERTINENTIA MONTISCLEDE bezeichnet wird. Montisclede ist die Ortschaft → Montecchia di Crosara. In diesem Vertrag wird dem Jacobus die Besiedlung des Gebiets von → Roncà übertragen, das unmittelbar an Montecchia (Montisclede) angrenzt. Betont wird, dass die deutschen Siedler keinerlei Verpflichtungen gegenüber Montecchia haben und auch nicht gegenüber Verona, außer, dass sie das Salz von dort beziehen müssen und dass sie ihrer Herrschaft, den Scaligern, jährlich 20 soldi und ein Zicklein abliefern müssen. In Roncà wird eine eigene Kirche (S. Maria di Roncà) erstmals 1332 erwähnt. Sie hängt aber noch lange von der Pfarrei Montecchia ab. Anscheinend scheint die Siedlung Roncá trotz ihres deutschen Ursprungs nicht zu den XIII Gemeinden gehören, die im Vicariato della Montagna Alta del Carbon seit 1403 unter einem Vikar standen, der von den so genannten Massari, einer Versammlung der weisesten Männer jeder Gemeinde, beraten wurde. Allodialherr über Montisclede war Alberto della Scala wohl in seiner Eigenschaft als Herr von Verona. In dem Vertrag geht es um den (steuerfreien?) Salzbezug (accipere salem) der Bewohner von Montisclede.

Zu den Privilegien der Bewohner der VII und XIII Gemeinden gehört später vor allem auch der abgabenfreie bzw. ermäßigte Bezug von Salz, bzw. die Freiheit, Salz an beliebigen Orten kaufen zu können (Salzsteuer kann man nur im Zusammenhang mit einem Salzkaufzwang erheben).

1301-1333

Gerufen vom Abt von Calavena gründen deutsche Siedler den Ort → Badia Calavena.

1309-1329

In Verona herrscht → Cangrande della Scala, Freund und Verbündeter Kaiser → Heinrichs VII. Ihm gelingt es, zwischen 1322 und 1329 eine ausgedehnte Herrschaft in → Venetien, → Emilia und der → Toskana zu errichten.

Abb.: Reiterstandbild von Cangrande I. della Scala
Urheber und Quelle: Von Sailko - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=81975450

1310

Zeitgleich mit dem Ende Vicenzas und Paduas als selbständige Kommune festigen die VII Gemeinden ihre nach 1259 gegründete Föderation.

1311

Vicenza fällt an die Skaliger.

1314

In Vicenza definiert der Geschichtsschreiber FERRETO DE FERRETI (Historia rerum in Italia gestarum) die Oberschicht in VICENZA mit dem Begriff CIMBRICI OPTIMATES. Er nennt sich selbst CIMBRO und Vicenza CYMBRIA. Vicenza trägt den deutschen Namen Wiesentein, man spricht dort „Wiesenteiner“ Dialekt. Da die Stadt bereits zur Römerzeit den Namen Vicentia trug, liegt hier wie wohl auch bei den meisten deutschen Ortsnamen (so auch bei den XIII und VII Gemeinden) eine Anpassung der deutschen Namen an die lateinischen und italienischen Ortsnamen statt.

1311-1387

Die Skaliger von Verona sind die Oberherren der VII Gemeinden bzw. des Altopiano.

1326

Cangrande della Scala erteilt den Einwohnern der Kommune Calavena das Recht, in den Grenzen der Gemeinde Holz zu schlagen und Holzkohle daraus zu machen sowie ihr Vieh zu weiden. Dafür müssen sie dem Kloster eine feste Abgabe entrichten.

1327

15. April
Cangrande della Scala erteilt des Bewohnern der VII Gemeinden .... (Lücke) Sie müssen keine Frondienste leisten und keine Abgaben und Zölle zahlen. In Kriegszeiten sollen sie 400 Gulden zahlen oder sieben Armbrustschützen stellen (Baum, S. 96)

1329-1351

Mastino II. della Scala.

1333

Der Abt Castellano von St. Maria in Organo in Verona schließt einen Ansiedlungsvertrag mit Deutschen.

1336

Krieg zwischen den Skaligern von Verona und der Stadt Vicenza.

1339

13. Januar
Privileg für die VII Gemeinden von Mastino II. della Scala und dessen Bruder Albert II., in dem erstmals die sieben Gemeinden namentlich aufgeführt werden (Baum, S. 97)

1341

Vicenza erwirbt die Ebene von Marcesina (Marzisel).

1387

Mit Hilfe von Venedig setzt sich → Gian Galeazzo Visconti (+1402) in den Besitz von Verona und Vicenza.

Abb.: Gian Galeazzo Visconti, Giovanni Ambrogio de Predis zugeschrieben
Urheber und Quelle: Von Ambrogio de Predis zugeschrieben - paintings-directory.com, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3286132

1387-1402

Die → Visconti von Mailand sind die Oberherren der VII Gemeinden.

1399

In Padua konsolidiert sich die Herrschaft der Carrara.

1402

Nach dem Tod von Gian Galeazzo Visconti folgt in Mailand sein Sohn Giuseppe Maria.

1403

Nach dem Tod von Gian Galeazzo Visconti und den darauf ausbrechenden Unruhen teilt die Stadt Verona das Landgebiet in 19 Vikariate ein. Die Vikare werden von der Stadt geschickt. Eines dieser Vikariate ist das der → XIII Gemeinden (dieser Begriff taucht erstmals 1616 auf!). Damals ist vom VICARIATUS MONTENEARUM THEUTONIORUM oder später vom VICARIATO DELLA MONTAGNA ALTA DEL CARBON die Rede. Dieser letzte Begriff zeigt, dass die Ortschaften vor allem mit dem Holz beschäftigt sind und Holzkohle für die Stadt Verona liefern! Der → Vikar, der in Roverè oder Velo sitzt und vor allem Recht spricht, wird von den sogenannten Massari, einer Versammlung der weisesten Männer jeder Gemeinde, beraten.

1404

20. Februar
Die Regentschaft unterwirft sich der Republik Venedig, diese erkennt deren Immunität an: 1402 stirbt Gian Galeazzo Visconti; 1404 schicken die VII Gemeinden Gesandte nach Venedig zum Dogen → Michele Steno. Sie verweisen auf die bisherige Abgabenfreiheit, die sie wegen der Armut der Gegend und weil sie nur vom Holzhandel leben, von den Herren von Mailand zugestanden bekommen haben. Sie verpflichten sich, weiterhin die militärische Sicherung der Pässe zu übernehmen, sowie eine jährliche Abgabe von 500 Lire zu zahlen (=400 kleine Veroneser Pfennige) und 12 Kälber im Wert von 100 kleinen Veroneser Pfennigen abzugeben. Dafür erhalten sie Freiheit von den Abgaben (dazi) von der Salzsteuer der Stadt Vicenza (gabella des sale della nostra Citta di Vicenza); sie können sich also ihr Salz kaufen, wo sie wollen. Mit dieser Bestätigung sind die VII Gemeinden mit der Stadt Vicenza, die in der Geschichte immer die meisten Ansprüche auf ihr Berggebiet geltend gemacht hatte, staatsrechtlich gleichgestellt worden. Damit beginnt der wirtschaftliche Aufstieg der VII Gemeinden, der sich auch in einem Anstieg der Bevölkerung widerspiegelt. Haupterwerbszweige sind der Holzhandel, die Rinder- und Schafzucht, Wollproduktion, Käseproduktion und vor allem die Holzkohlenherstellung durch Köhler.

Abb.: Siegel des Dogen Michele Steno; der Evangelist Markus und der Doge halten mit ihrer rechten Hand das Banner, in der linken hält der Doge die zusammengerollte Promissio ducale, eine Reihe von Versprechen, die er vor der Amtseinführung beeiden musste.
Quelle: Von Sailko - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=66376566

1404

8. April
Verona wird von dem letzten Signore von Padua Francesco Novello da Carrara, der sich mit den → Skaligern (Gugliemo della Scala) zusammengetan hatte, erobert. Die Stadt hatte der Statthalter der Visconti Biancardo nur schwach verteidigen können. Gugliemo della Scala wurde zum neuen Herrn von Verona ausgerufen, aber von Francesco Novello da Carrara vergiftet und stirbt am 20. April 1404. Nachdem Unruhen ausgebrochen waren, ernennt Carrara die beiden Söhne von Gulglielmo zu Herren in der Stadt und nimmt ihnen das Versprechen ab, ihm bei der Eroberung von Vicenza, das auch den Visconti gehörte, zu helfen. Nach der Übergabe von Verona flüchtete sich Biancardo, der Statthalter der Visconti nach Vicenza, das nun ebenfalls von Francesco Novello da Carrara angegriffen wurde. Vicenza, das aber zu schwach war, sich zu verteidigen – auch Biancardo konnte keine Visconti-freundlichen Kräfte mehr auftreiben, ergab sich jetzt (24. April 1404) den Venezianern, um Francesco Novello da Carrara, der bereits zur Belagerung der Stadt geschritten war, zuvorzukommen. Nun befand sich plötzlich Carrara im Krieg mit Venedig, das schließlich im Bündnis mit Gonzaga Franzesco Novello da Carrara niederwarf.

1405 musste sich Francesco Novello da Carrara sowohl in Padua als auch in Verona (24. Juni 1405) den Venezianern ergeben und wurde 1406 in den venetianischen Gefängnissen ermordet.

1405

24. Juni
Die Stadt Verona ergibt sich den Venezianern. Damit fallen auch die XIII Gemeinden mit ihrem neu gebildeten Vikariat an die Republik Venedig.

1413

→ Herzog Friedrich mit der leeren Tasche bringt das Gericht Telfana mit Telve, Roncegno und Torcegno an sich und 1414 das Gericht Ivano mit Grigno, Strigno und Tesino. Damit ist die → Valsugana, also der Oberlauf der Brenta und der wichtigste Zugang nach Venedig, in der Hand der Habsburger.

1417

→ Doge Tommaso Mocenigo bestätigt den VII Gemeinden ihre Privilegien, die sie seit undenkbarer Zeit (per immemorabiles annos) genossen haben. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um die Freiheit von allen Abgaben und Dienstleistungen. Die Bewohner gehörten zwar zum Distrikt Vicenza, waren aber nicht Bürger Venedigs. Der genaue politische Status war um diese Zeit noch unentschieden.

Abb.: Wappen Tommaso Mocenigos
Urheber und Quelle: Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=972169

1404-1797

Die Republik Venedig ist Oberherr der VII Gemeinden.

1410/11

Die Herren von Castelbarco (Ala) gehen zu Venedig über. In der Folge geht das gesamte → Lagertal (Etschtal südlich von Trient bis zur Veroneser Klause) an Venedig verloren. Die Herren von Castelbarco werden wegen ihrer Schaukelpolitik samt ihren Schlössern von Venedig vernichtet. Davon profitieren die deutschen Untertanen im Lessinischen Gebirge, im Raut-, Brand-, Laim – und Astachtal, deren Rechte von Venedig bestätigt werden.

1416

Rovereto kommt an → Venedig (bis 1517).

1417

30. November
Die Republik Venedig bestätigt die Privilegien der VII Gemeinden (weitere Bestätigungen am 22.9.1422 und 24.12.1460). Die Zimbern werden verpflichtet, das Salz in Treviso zu einem festgesetzten Preis zu kaufen.

1424

Die Abtei Badia Calavena wird vom Monte San Pietro nach Tregnano am Flusse Progno verlegt.

1435

Volksaufstand gegen Bischof Alexander von Masowien von Trient (1423-1444). Vogt → Ulrich von Matsch kommt den Bürgern von Trient zur Hilfe. Die Herzöge von Tirol zwingen den Bischof, sich nicht mit ausländischen Mächten (Mailand) einzulassen. Viele deutschsprachige Gemeinden begeben sich unter die Schutzherrschaft von Venedig, so → Vallarsa (1439), Noriglio und → Terragnolo sowie → Folgaria.

Abb.: Wappen der Vögte von Matsch
Urheber und Quelle: Von verschiedene unbekannte Künstler - Bayerische Staatsbibliothek Cod.icon. 312 c 1450 - 1480, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3474243

1442

21. Januar
Erstmalige Erwähnung des von Lavarone (Lafraun) aus besiedelten und zur Gemeinde Lavarona (Lafraun) gehörende → Lusern: Ein gewisser Blasius (Biagio) verkauft Herzog Friedrich (mit der leeren Tasche) von Tirol, vertreten durch dessen Burgverwalter in Caldonazzo vier Masi auf dem Berg von Lusern für 55 Golddukaten. Lusern gehört wie Lavarone (Lafraun) jurisdiktionsmäßig zu Caldonazzo, pfarreimäßig zur Pfarrei Brancafora im Astico-Tal (Astachtal) (Diözese Trient!). Die Abhängigkeit Luserns von der Gemeinde Lavarone (Lafraun) endet erst 1780.

Abb.: Historische Ansichtskarte von Lusern, 1899
Urheber und Quelle: zur Verfügung gestellt von unserem Mitglied Dr. Jörg Ruthrof

1448

Bischof Fantino Dandolo von Padua visitiert die VII Gemeinden: In der ersten von ihm visitierten Gemeinde Santa Caterina di → Lusiana, trifft er den deutschen Priester Leonhard, in San Giacomo di Lusiana einen Johann aus Oppenheim, in → Asiago Matthäus, in → Gallio einen Konrad aus Geisenfeld (Diözese Regensburg), in Caltrano einen Michael aus Ulm, in → Roana einen Alemannen, in → Rotzo einen Paul Norbert aus der Diözese Brixen, in → Foza einen Christian, in → Enego einen Johann Gehorsam aus der Diözese Passau und in Cavove den in Caltrano schon genannten Michael aus Ulm. Um diese Zeit finden sich auch in der Umgebung (etwa → Posina 1403, 1428 u. 1480) sowie im Tal (etwa → Marostica zwischen 1401 und 1515) zahlreiche deutsche Priester (BAUM, S. 47 ff.) Meist amtieren deutsche und italienische Priester nebeneinander (Borgo). Mit der Reformation und Gegenreformation schwindet der Einfluss der deutschen Priester.

1454

In → Lusern lassen sich Bauern von → Lavarone als Erbpächter der Pfarrkirche St. Maria di Brancafora nieder.

1460

29. März
→ Venedig untersagt der Stadt → Vicenza, einen Vikar in die → VII Gemeinden zu schicken, da dies den Privilegien widersprechen würde.

1487

6. April
Beschluss des venezianischen Senats zugunsten der VII Gemeinden: Der Capitano von Marostica darf die VII Gemeinden nicht zu einer Zahlung wegen des Ausbaus der Festungsanlagen von Marostica vor vier Jahren zwingen.

1487

10. August
In der → Schlacht bei Calliano wird Venedig (Feldherr Roberto de San Severino) von den Truppen Herzog Sigismunds (Feldhauptmann war der Elsässer Friedrich Kappler) geschlagen. → Sigmund der Münzreiche scheitert mit seinem militärischen Vorgehen gegen die Hochebene von → Asiago (VII Gemeinden).

Bild: Schlachtfeld zwischen Calliano und Beseno
Quelle: Von Llorenzi - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=33413064

1487-1508

Lusern und Lavarone (Lafraun) bleiben von Venedig besetzt.

Um 1500

Die ersten → zimbrischen Texte (Kirchenlieder) nachweisbar.

1503

Die Abtei Badia Calavena wird dem Kloster San Nazario e Sauro in Verona übergeben und verliert damit seine Selbständigkeit und verfällt.

1508

→ Kaiser Maximilian I. schließt mit → König Ludwig XII. von Frankreich und dem spanischen König die → Liga von Cambrai. Ruft sich in → Trient, da ihm der Weg nach Rom durch die Venezianer versperrt wird, zum Kaiser aus. Plünderung der VII Gemeinden durch Truppen Maximilians.

Abb.: Ludwig XII. von Frankreich
Urheber und Quelle: Von Atelier/Werkstatt von Jean Perréal - [1], Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11843246

1509

Verwüstung der VII Gemeinden im Krieg Venedigs mit Kaiser Maximilian und Frankreich. Die VII Gemeinden halten zu Venedig. In der → Schlacht bei Agnadello am 14. April besiegen die mit Schweizer Söldnern kämpfenden Franzosen die Venezianer, die sich nach Verona zurückziehen. Maximilian dringt durch die VII Gemeinden nach Vicenza und Padua vor, Asiago wird zerstört. Am 1. Juni fällt Verona, vier Tage später Padua, in die Hand Maximilians. Frankreich, das in Mailand sitzt, wird zur beherrschenden Macht in Oberitalien. Verona kann gegen Venedig nur bis 1516 behauptet werden.

Abb.: Die Schlacht bei Agnadello (Gemälde von Pierre-Jules Jollivet)
Urheber und Quelle: Von Pierre Jules Jollivet - Chapitre.com [1], Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11133593

1509

2. Juni
Die Bewohner der → XIII Gemeinden wenden sich an Bischof Georg Neudeck von Trient, dem kaiserlichen Vikar von Verona, um Bestätigung ihrer alten Privilegien, diese werden 1511 und 1512 gewährt (CIPOLLA 1882, S. 143 f.)

1510

Als Dank für die Treue der → VII Gemeinden im Kampf gegen die → Habsburger und als Entschädigung erhalten die VII Gemeinden von Venedig eine Quasi-Souveränität. Der Regent der VII Gemeinden und die Beisitzer werden jedes Jahr neu gewählt und zwar jeweils aus einem anderen Ort. Das gilt auch für die Führung der 1500 Mann umfassenden Miliz. Diejenigen, die den Österreichern während der Auseinandersetzung Lebensmittel geliefert haben, werden mit dem Tode bestraft (BAUM, S. 51).

1568

19. Juli
Beschluss des venezianischen Senats (Ausschuss der 10 Weisen): Die VII Gemeinden müssen sich finanziell nicht an dem Ausbau der Wallanlagen in Verona beteiligen. Hingewiesen wird dabei vor allem auch auf die treue Haltung der VII Gemeinden im Krieg von 1509.

1576

→ Pest.

1598

Der Befehlshaber der venezianischen Milizen auf der Hochebene, Graf Francesco Caldogno, erhält von Venedig den Auftrag, die Grenzen der zu Venedig gehörenden Hochebene zur Habsburger Monarchie zu untersuchen und zu beschreiben. In seinem Bericht bezeichnet er die deutschsprachigen Bewohner der Hochebene als Nachkommen von geflohenen Ostgoten.

1602

Der → Katechismus des Kardinals Bellarmin (1598) wird im Auftrag des Bischofs Marco Cornaro von Padua für die VII Gemeinden in das Zimbrische übersetzt (Christlike unt korze Dottrina) und in Vicenza gedruckt. Es ist das älteste überlieferte umfangreichere zimbrische Sprachdenkmal.

1605

Sentenza Roboretana. Festlegung der Grenzen zwischen Venedig und dem Deutschen Reich (Fürstbistum Trient und Grafschaft Tirol) im Bereich zwischen → Folgaria und Asticotal (Linea Val Orsara-Astico).

1616

Der Begriff → „XIII Gemeinden“ wird erstmals verwendet.

1618

Constantino Bonomi gibt in Venedig die Privilegien der VII Gemeinden im Druck heraus.

1630/31

Pest.

1642

Sentenza Bragadina: Ausführliche Regelung der Angelegenheiten der VII Gemeinden. Streitig waren vor allem die Rechte der Einheimischen (incola = terriero). In Art. 24 werden die Fremden (forestiere), wenn sie 15 Jahre am Ort sitzen (und ihre Abgaben entrichtet haben) wie Einheimische behandelt, müssen allerdings das Doppelte an Steuern zahlen (gemeint ist wohl der Beitrag zur Pauschalsteuer). Das Recht an der gemeinsamen Weide erhalten sie (Broglio 64) wohl erst nach 50 Jahren.

1644-1669

Die Türken erobern Kreta (Candia). Beteiligung der Zimbern an den Kämpfen. Zum Dank erhalten sie ein Banner, das den Markuslöwen mit dem Schild der VII Gemeinen (sieben Männerköpfe) sowie die Wappen von Morea (Peloponnes) und Candia (Kreta) zeigt.

1709

Der dänische König → Friedrich IV. besucht die VII Gemeinden; angeblich wurde er in → Asiago mit dem Ruf „Es lebe unser König!“ begrüßt (SARTORI 1956, S. 225)

Abb.: Historische Ansichtskarte aus Asiago um 1900
Quelle: Archiv Dr. Jörg Ruthrof

1710

Lusern wird auf Anordnung der Lehensherrn von → Caldonazzo, der Grafen → Trapp (Lehensherrn spätestens seit dem 15. Jahrhundert!) mit → Lavarone (Lafraun) zusammengelegt, damit die Trientiner Grenzen (und damit die des Heiligen Römischen Reiches) besser verteidigt werden können. 1780 wird Lusern administrativ wieder von Lavarone getrennt, was besonders bei den gemeinsam genutzten Weiden gewisse Schwierigkeiten bereitete.

1715-1723

Bau der Kirche Santa Giustina in Lusern.

1733

In Rotzo wird der spätere Abt Agostino dal Pozzo geboren, der die „Memorie istoriche di Sette Comuni Vicentini“ verfasst.

1740

Gerardo Slaviero (1679-1763) schreibt eine zimbrische Grammatik.

1751

21. Juli
Eine gemischte venezianisch-österreichische Kommission in → Rovereto entscheidet Grenzfrage zu Ungunsten der Lasteroli in Laste Basse und der 41 Häuser am Abhang des Monte Kerle, der rechtmäßig zu Folgarida gehören würde. Die Hauser werden gegen Entschädigung abgerissen. Die Bewohner werden vom Val Lunga (Laste Basse) auf venetianisches Gebiet (Gemeinde Arsiero im Val d'Astico) umgesiedelt (Laste Alte).

1780

Lusern und Lavarone werden verwaltungsmäßig getrennt.

1796

Zu den VII Gemeinden kommt als achte der Ort → Conco.

1797

Besetzung durch die Franzosen.

1797-1805

Auf Grund des → Friedens von Campoformio erhält Österreich Venetien und die Oberherrschaft über die VII Gemeinden (im → Frieden von Pressburg vom Dezember 1805 an das Königreich Italien verloren), Tirol (mit Südtirol = Trient) kommt an das Königreich Bayern).

Abb.: Traité_de_Campo-Formio_12_sur_12_-_Archives_Nationales_-_AE-III-50bis

1800

Zwei Deputierte der VII Gemeinden (Rigoni und Valente) reisen an den Kaiserhof nach Wien, um die Rechte der VII Gemeinden zu erläutern. Ihr Bericht an die Regentschaft ist noch erhalten.

1802

Der Notar Domenico Rigoni Stern sammelt die „PRIVILEGI ORIGINARI – DUCALI, DECRETI, TERMINAZIONI E GIUDIZI ESECUTIVI DELLI SETTE COMUNI E CONTRADI.

1806-1814

Die VII Gemeinden sind Teil des (französischen) Königreichs Italien (König von Italien ist seit 1805 → Napoleon; sein Vizekönig ist → Eugène de Beauharnais, der seit 1806 mit der bayerischen → Prinzessin Amalie, Tochter des → Königs Max Josef verheiratet ist).

Abb.: Amalie Auguste von Bayern, Gemälde von Joseph Karl Stieler, 1823 (Galerie Neue Meister, Dresden)
Urheber und Quelle: Von Joseph Karl Stieler - skd.museum, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3036977

1807

19. Juni
Der kgl. Präfekt des Departements Bacchiglione Pio Magenta begibt sich nach Asiago und erklärt den Mitgliedern der Reggenza deren Auflösung und Eingliederung in das Königreich Italien. Rechtsgrundlage ist ein Dekret des Vizekönigs Eugen vom 25. November 1806, mit dem alle Selbstverwaltungskörper aufgelöst und deren Güter und Einnahmen ab 1. Januar 1807 den jeweiligen Gemeinden zugewiesen werden. Damit waren die staatsähnlichen Hoheitsfunktionen der Reggenza beendet. Letzter Kanzler der Reggenza war Angelo Rigoni Stern.

Gleiches geschieht mit den XIII Gemeinden. In einem Bericht an den Präfekten des Departements Etsch über die Verbreitung der zimbrischen Sprache in den XIII Gemeinden heißt es, dass in Campo Fontana alle, in → Giazza auch alle (aber teilweise verdorben), in → Selva di Progno viele, in Velo einige Siebzigjährige, in Rovere di Velo einige Sechzigjährige und in San Bartolomeo tedesco nur wenige Menschen zimbrisch sprechen, sonst nirgendwo mehr (TASSONI 1970, S. 7).

Bild: Giazza Ljetzan
Urheber und Quelle: Von Adert - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=61173847

1814-1866

Die VII und XIII Gemeinden sind Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie.

1815

Mit der Übernahme der Herrschaft durch Österreich wurde zwar die Aufteilung der Güter auf die Gemeinden rückgängig gemacht, aber die Verwaltung wurde keiner selbstständigen Reggenza mehr anvertraut, sondern einem staatlichen Kommissar, der die Güter im Auftrag der Gemeinden zu verwalten hatte.

1826-1876

Christiano Lobbia, geboren in Asiago, einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der VII Gemeinden, Kommandant der „Legione Cimbrica“, eine Truppe von 800 Freiwilligen, die gegen Österreich kämpften und auch 1861 an der Expedition der 1000 teilnahmen, durch die → Garibaldi das Königreich → Neapel für Italien gewann. Lobbia, der nach 1866 Deputierter des Königreichs Italien war, realisierte für seine Heimat die Costo-Straße ( die frühere Strada statale 349 di Val d’Assa e Pedemontana Costo von Trient nach → Costabissara, heute: Provinzstraße). In der italienischen Politik ist er wegen seinem Kampf gegen die Korruption und wegen der Aufdeckung des Skandals um das Tabakmonopol bekannt geworden.

1833

→ Johann Andreas Schmeller besucht erstmals das → Fersental, Lafraun (Lavarone), sowie die VII und XIII Gemeinden. Er besucht auch → Recoraro. → Campofontana (it. Sprache), der „am höchsten gelegene Ort“ war der erste Ort der → XIII Gemeinden, die er besuchte. Die Ergebnisse seiner Forschungsreisen legte er 1834 der → Bayerischen Akademie der Wissenschaften vor, 1837 werden sie gedruckt.

Bild: Johann Andreas Schmeller
Urheber und Quelle: Von Joseph Bernhardt - Bayerische Akademie der Wissenschaften - http://www.badw.de/aktuell/pressemitteilungen/2005/PM_41_2005/index.html, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5004195

1848

Eine „Legione Cimbrica“ kämpft gegen die Österreicher.

1866

Die VII und XIII Gemeinden werden gemeinsam mit Venetien an das Königreich Italien abgetreten.

1906

Die Brücke über das Assatal wird fertiggestellt.

1915

Im Ersten Weltkrieg wird die Hochebene von Asiago als Grenzgebiet zum Schlachtfeld. Die Einwohner müssen ihre Häuser verlassen und können erst 1919 in ihre teilweise vollständig zerstörten Gemeinden zurückkehren.

1916

Österreichische „Strafexpedition“ gegen Italien. Die Bewohner von Rotzo und Roana werden von den Österreichern nach Böhmen, die von Enego, Foza, Gallio und Asiago nach Italien deportiert. Der Wiederaufbau der durch die Artillerie zerstörten Häuser erfolgt im italienischen Stil.

1926

Die Selbstverwaltung der VII Gemeinden wird abgeschafft. Die gemeinsam bewirtschafteten Güter werden bis auf eins (200 Hektar bei Roana) abgeschafft.

1942

→ Bruno Schweizer meint bei seinem Aufenthalt in → Roana, in der zimbrischen Sprache Reste des Langobardischen feststellen zu können. 200 Luserner und 650 Fersentaler wurden nach Deutschland gebracht.

Abb.: Historische Ansichtskarte von Roana, um 1900
Quelle: Archiv Dr. Jörg Ruthrof

1943

8. September
Nach dem Ausscheiden Italiens aus dem Krieg und der Besetzung des Landes durch die deutschen Truppen, kommt es auf der Hochebene zur Auseinandersetzung zwischen deutschen Einheiten und → Partisanen. 1944 intensivieren sich diese Auseinandersetzungen, nachdem die Partisanen durch die Alliierten aus der Luft unterstützt werden (zu bewaffneten Konfrontationen kommt es am 5. Juni bei Malga Fossetta, 8. August Verhaftungen und Niederbrennen von Häusern in Camporovere, 6. September: Blutige Kämpfe zwischen 600 Partisanen und 1000 deutschen Soldaten in Bosco Nero und → Granezza (it. Sprache) mit 40 Toten und schließlich am 27. Januar 1945 das Blutbad von Treschè Conca mit 19 Toten).

1969/70

Das “Cimbern-Kuratorium Bayern” wird in München als eingetragener Verein gegründet. Die Initiative zur Gründung geht von dem → Landshuter ► Hugo Resch aus, der als Mitarbeiter des Arbeitsamtes in den 1960er Jahren nach Italien entsandt wurde, um italienische Gastarbeiter zu rekrutieren. Als er feststellte, dass es sich bei der Sprache, die in den XIII und VII Gemeinden sowie in Lusérn gesprochen wurde, um eine sehr alte Form des Bairischen handelt, stellte er fortan sein Leben in die Erforschung und den Erhalt dieser Sprache. Wichtigste Aufgabe und Zweck des Vereins ist deshalb bis heute die Pflege und Erhaltung von Sprache und Kultur der Cimbern (Zimbern), einer aus Bayern und Tirol nach Oberitalien ausgewanderten Bevölkerungsgruppe. Denn Sprache ist, wie wir wissen, unser wertvollstes Gut. Einer der Mitbegründer des Kuratoriums war der damalige Oberbürgermeister von München, → Hans-Jochen Vogel. Hauptzweck des Vereins ist (bis heute) der Erhalt und die Verbreitung der → zimbrischen Sprache, wie sie in den sogenannten XIII und VII Gemeinden sowie in Lusérn gesprochen wird sowie die Pflege der historischen Verbindungen zwischen Bayern, Tirol und Oberitalien.

1974

Gründung des „Curatorium Cimbricum Veronese“, der Kulturverein der Cimbern in der Lessinia, der sich der Kultur und Sprache der XIII Gemeinden widmet.

2007

In einer Volksabstimmung entscheiden sich die Wahlberechtigten der VII Gemeinden für einen Austritt aus der Region Veneto und einen Anschluss ihrer Gemeinden an die Region Trient-Bozen. In Trient und Bozen wird dieser Anschluss in Volksabstimmungen abgelehnt u.a. mit dem Argument, dass er historisch nicht ausreichend untermauert sei.

2013

Jakob Oßner aus → Velden (Vils) wird Vorsitzender des Bayerischen Cimbern-Curatoriums.

2014

Das Cimbern-Kuratorium Bayern lässt das → zimbrische Gesamtwörterbuchs von Hugo Resch, der Zeit seines Lebens 70.000 zimbrische Begriffe zusammengetragen hat, digitalisieren und stellt es als Online-Wörterbuch auf der Homepage zur Verfügung.